Croupier kann aufatmen

Ein verschwundener 500 Euro Jeton sorgte im Casino am Raschplatz in Hannover für mächtig viel Wirbel. Unter Tatverdacht steht einer der Croupiers, der offensichtlich des Diebstahls bezichtigt und auch kurzerhand von den Gerichten verurteilt wurde. Allerdings wollte er dieses Urteil nicht auf sich sitzen lassen und hat inzwischen die vierte Instanz darum bemüht, eine Lösung für den Fall zu finden – mit Erfolg.

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Ein Sieg in letzter Instanz

Der zunächst verurteilte Croupier aus der Hannoverer Spielbank darf sich zumindest in gewisser Weise freuen. Statt der bisher recht hohen Strafe gibt es nun einen offiziellen Vergleich zwischen ihm und dem Casino Betreiber. Die zuvor ausgesprochene fristlose Kündigung wurde immerhin wieder zurückgenommen. Seinen Job verliert der Mann allerdings trotzdem; fristgerecht und nach der Zahlung zweier Monatsgehälter sowie einer fairen Abfindung.

Keine fristlose Kündigung – keine Strafe

Der Fall des in der Spielbank Hannover verschwundenen Jetons beschäftigt die Gerichte inzwischen seit mehr als einem Jahr. Damals hatte das Amtsgericht einen Croupier für schuldig befunden und ihm eine Geldstrafe in Höhe von ganzen 1.350 Euro auferlegt. Kurz darauf ging der 50 Jahre alte Mann in Berufung. Im dann zuständigen Landgericht wurde die Schuld insoweit reduziert als dass die Strafe nur noch bei 750 Euro lag. Aber auch das wollte sich der Croupier nicht gefallen lassen. Passend zu seinem Job setzte der Mann alles auf eine Karte und bemühte im Anschluss auch das Arbeitsgericht. Grund dafür war die fristlose Kündigung, die er nicht hinnehmen wollte. Hier verweigerte ihm der Richter allerdings seine Forderung und erklärte die fristlose Kündigung für rechtmäßig.

Vergleich zugunsten des Croupiers

Nun, rund ein Jahr nach der ersten Verhandlung, hat der 50-Jährige doch noch Glück im Spiel – in jenem um sein Recht. Ihm wurden vom Landesarbeitsgericht inzwischen 6.000 Euro als Abfindung zugesprochen, und auch die Kündigung musste der Betreiber des Casinos in eine fristgerechte umwandeln. Damit stehen dem Croupier immerhin noch zwei Gehälter zu, die im Zuge des Vergleichs ausgezahlt wurden.

Das war passiert

Doch wie kam es überhaupt zu dem Verdacht? 2013 hatte der Croupier im Casino wie gewohnt seinen Job gemacht. Allerdings will ein Spielgast bemerkt haben, dass sich der Angestellte einen Jeton im Wert von 500 Euro einstrich. Diesen hielt er beim Wechseln der Chips zunächst in seiner Hand, ließ ihn aber kurzer Zeit später in seinem Sakko verschwinden. Die Spielbankbetreiber gingen dem Verdacht nach und überprüften kurzerhand die Aufnahmen der Überwachungskameras. Nach eigenen Angaben soll auch dort klar zu erkennen sein, dass der Dealer sich an den Jetons bediente und eben besagte 500 Euro abkassierte – natürlich unrechtmäßig. Ein Geständnis gibt es bis heute nicht, zumal der Angestellte zu verstehen gibt, dass die unscharfen Bilder nicht als Beweis für einen Diebstahl genutzt werden können. Bis dato hatten die Gerichte die Ansicht des Betreibers geteilt und harte Urteile gefällt. Dennoch sollte sich das Blatt nun für den Croupier wenden.

Casino hat das Nachsehen

Zu guter Letzt musste es Richter Ulrich Kubicki im Landesarbeitsgericht regeln. Er stimmt dem Tatverdächtigen zu, dass die Aufnahmen der Kameras unscharf sind. Aber: Allein ein begründeter Verdacht reicht in solchen Fällen aus, um einen Angestellten mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Schlussendlich bot das Gericht beiden Parteien einen Vergleich an, dem der Croupier mithilfe seines Anwalts auch zustimmte. Er bekommt seine zwei Monatsgehälter ausgezahlt und ist fristgerecht gekündigt. Einen bitteren Beigeschmack hat sein Verhalten dennoch, denn in Niedersachsen wird er wohl nie wieder Fuß im Job fassen können.

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