Jugendschutz und Sportwetten

Wieder einmal gibt es ein Thema, das Nationen verbindet: den Jugendschutz. Gerade Wettbüros stehen aktuell in der Kritik – und das speziell in Deutschland. Die Problematik geht so weit, dass sogar Stern TV darüber berichtete. Hier wurde deutlich aufgezeigt, wie einfach es für Jugendliche weit unter 18 Jahren ist, sich ins Wettbüro zu begeben und auf ihren Lieblingsclub zu wetten.

Versteckte Kameras deckten auf, was schon lange befürchtet wurde: Nur sehr wenige Wettbüro Betreiber interessiert es wirklich, wie alt ihre Gäste sind. Die Kontrollen der Inhaber und deren Personal kann man als dürftig bezeichnen. Zumindest gelang es den beiden Testern, zwei 15 Jahre alten Jungen, in die meisten Büros hineinzugelangen und sogar Tippscheine abzugeben, ohne dass sie nach ihrem Alter respektive einem Ausweis gefragt wurden. Fünf der 12 getesteten Sportwetten Betriebe gewährten den Jungen Zugang, und niemand kam auch nur annähernd auf die Idee, nach dem Ausweis zu fragen.

Nach dem Test wurde Markus Maul mit dem Problem konfrontiert. Er ist im Branchenverband VEWU tätig und sagte im Interview, dass er sich diese Unvernunft der Sportwetten Betreiber nicht erklären könne. Für ihn sind die Ergebnisse nicht tragbar, und es muss unbedingt etwas passieren, um den Jugendschutz tatsächlich überall zu gewährleisten. Dass Minderjährige vor dem Angebot geschützt werden müssen, ist nicht nur eine Frage der Moral. Es wird sogar vertraglich festgehalten, denn wer die Klausel nicht unterschreibt, dem steht es überhaupt nicht zu, ein Wettbüro zu eröffnen. Ausweiskontrollen müssen durchgeführt werden, wenn Zweifel bestehen, ob ein Gast tatsächlich volljährig ist. Was ganz offensichtlich fehlt, sind weitreichende Konsequenzen bei einer solchen Fahrlässigkeit, wie sie im Test herausgekommen ist.

Dr. Ingo Fiedler ist Fachmann für Glücksspiele und arbeitet an der Uni Hamburg. Er sieht das Problem weit drastischer als Markus Maul, denn die Statistik hat längst bewiesen, dass annähernd doppelt so viele Jugendliche wie Erwachsene von dem Angebot Gebrauch machen und sich an Sportwetten beteiligen. Für ihn ist die Sache klar: Diese Läden müssten konsequent geschlossen werden – und zwar am besten gleich alle. Das Problem besteht insbesondere in dem enormen Suchtpotential, das von Wetten ausgeht. Dieses schätzt Fiedler fast noch höher ein als bei Spielautomaten. Gerade Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zeigen schon jetzt ein pathologisches Verhalten. Rund 50% aller jungen Menschen in dieser Altersspanne hatten sich bereits mit Glücksspielen auseinandergesetzt, viele spielen sogar regelmäßig.

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