Kinder und Glücksspiele

Wie wirken Glücksspiele eigentlich auf den Menschen; und warum leiden so viele unter Spielsucht? Diesen Fragen gehen nicht nur Wissenschaftler auf den Grund. Zumindest einer von ihnen, nämlich der Neurowissenschaftler Michael Deppe, wagt nun einen ganz besonderen Versuch und setzt ein paar Kids vor die Spiele – in der Kinderuni Münster. Das spezielle Seminar soll den Kleinsten erklären, warum der Besuch von Spielhallen und Spielbanken so gefährlich für das noch junge, unausgereifte Gehirn ist.

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Glücksspiel in der Kinderuni Münster

Dass ausgerechnet Kinder als Probanden eingesetzt werden, beruht auf ihrer Neugierde. Diese ist bekanntlich unerschöpflich, und im Endeffekt geht es vielen Erwachsenen nicht anders. Ab einem bestimmten Alter hören Menschen jedoch damit auf, alles zu hinterfragen. Umso gefährlicher sind Glücksspiele – vor allen Dingen, wenn ein Spieler sein Verhalten nicht mehr im Griff hat. Die Kinderuni in Münster setzt seit Jahren auf den Faktor Neugier und versucht mit der speziellen Forschung, mehr über die Wirkung von Spielautomaten auf Kinder herauszufinden. Die Teilnehmer sind zwischen acht und zwölf Jahre alt. Sie sollen im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchungen mit verschiedenen Spielen der Glücksspiel-Branche in Kontakt gebracht und auf ihr Verhalten getestet werden.

So wirken Lotto, Spielautomaten und Co.

Auch für die Kinder selbst lässt sich mit dem Seminar besser nachvollziehen, warum Eltern beim Gedanken an den Lotto Jackpot immer ganz aus dem Häuschen sind. Sie schmieden Pläne und träumen beim Ankreuzen der Zahlen bereits davon, im Geld zu schwimmen. Bisher konnten die Kleinen wohl nichts mit dem ungewöhnlichen Verhalten Erwachsener anfangen. Das soll sich mit den Vorlesungen und dem eigenen Erlebnis an solchen Spielgeräten ändern. Warum kribbelt es so sehr im Bauch, wenn es um viel Geld geht? Und warum hören Erwachsene auch dann nicht auf zu spielen, wenn sie bereits 100 Mal erleben mussten, dass ein Jackpot gar nicht so leicht zu knacken ist? All diesen Fragen wurde in der Kinderuni Münster auf den Grund gegangen.

Erstaunliche Ergebnisse

Schuld an der Reaktion von Menschen auf Glücksspiele ist das Belohnungs-Erwartungs-System, das sich im Gehirn findet. Dieses wurde von Prof. Michael Deppe, dem Neurowissenschaftler der Universität, ein wenig genauer erklärt – so, dass es die Kinder besser verstehen können. Der Wissenschaftler selbst beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Gebiet der Glücksgefühle, die sich in Menschen abspielen. Während seiner Forschungen ist es ihm bereits gelungen, die einzelnen Bereiche des Gehirns für die Außenwelt sichtbar zu machen, die für das Verhalten von Spielsüchtigen verantwortlich sind. Um das Erlernte besser vermitteln zu können, wurde ein besonderes Spiel entwickelt. Dieses durften die Kids in der Uni testen und selbst spüren, was im Gehirn passiert.

Gefühle verunsichern den Spieler

Besonders interessant für die vier Probanden, die sich dem Versuch stellten: Das Gefühl, Geld gewonnen zu haben, ist nicht annähernd so heftig wie die Vorfreude auf eine mögliche Ausschüttung. Zum Schluss hat Prof. Deppe den Kleinen noch einen wichtigen Satz mit auf den Weg gegeben: „Das ist das Blöde am Glücksspiel: Es macht Spaß – aber es macht arm.“

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